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Ein Tier mit nach Hause zu bringen und Teil der Familie werden zu lassen ist immer ein großer Schritt, aber für Su Yun aus Kunming City verursachte allein der Gedanke daran Schmetterlinge im Bauch. Zwar hatten Su und ihr Ehemann bereits selbst Kinder, aber die Hundeliebhaberin konnte sich nur zu gut vorstellen, wie ihre kleine Familie abends um den neuen pelzigen Familienzuwachs zusammen kommen könnte, um Brettspiele zu spielen oder gemütlich vor dem TV zu sitzen.

 Su Yun war sich sicher, dass ihre Kinder die Idee lieben würden und dass es eine gute Idee wäre, den beiden Verantwortung beizubringen. Das glaubte sie zumindest, denn Su konnte noch nicht ahnen, dass das Leben der Familie sich komplett auf den Kopf stellen würde.

EINE ENTSCHEIDUNG TREFFEN

 

Je länger Su Yun darüber nachdachte, desto sicher war sie sich, dass das zu Hause der Familie bereit für Zuwachs war. Natürlich würde ein Welpe mit einer enormen Verantwortung einhergehen, schließlich würden sie sich um das Tier kümmern müssen wie um ihre eigene Kinder. Aber das konnte sicher kaum schwieriger sein als ein menschliches Kind aufzuziehen, oder?

 

Su Yun war eine erfahrende Mutter und sie tat nichts lieber, als Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Einen Welpen zu adoptieren konnte also einfach keine schlechte Idee sein, und vielleicht würde sie selbst so auch ein bisschen Bewegung bekommen, wenn sie sich mit ihrem neuen Haustier beschäftige!

KAUFEN ODER ADOPTIEREN?

 

Nach reichlicher Überlegung wusste Su Yun also, dass sie bereit war ihre Familie zu vergrößern. Der erste Schritte war dabei allerdings zu entscheiden, ob sie einen Hund adoptieren oder kaufen wolle.

 

Es gab dabei so viel zu berücksichtigen, dass adoptierte Hunde sicher mehr Aufmerksamkeit, Liebe und Zuneigung benötigen als aufgezogene Welpen. dass sie einem Welpen Liebe schenkten, der sie wirklich brauchte. Der Gedanke erfüllte Su Yuns Herz mit Freude, und sie konnte sich bereits gut vorstellen, wie ihre Tage mit dem süßem Bellen ihres neuen Familienmitgliedes in ihrem Haushalt verlaufen würden.

HUNDE SIND DIE BESTEN

 

Su Yun war eindeutig ein Hundemensch, daran gab es keine Zweifel. Wenn man das Privileg hat, einen Welpen zu besitzen, braucht man nicht näher auf die Freude einzugehen, die ein solches Tier bereiten kann. Von der Bitte um Streicheleinheiten bis zum Zerbeißen von Teppichen strahlen diese lieblichen aber zugleich schelmischen Geschöpfe förmlich vor Glück.

 

Ja, letzteres könnte einen Hundebesitzer ab und an vielleicht zur Weißglut bringen, aber ein Blick in das süße Gesicht eines Welpen genügt meist, um ihm alles zu verzeihen. So stellte es sich Su Yun zumindest vor, und sie konnte es kaum erwarten, bis eine dieser lieblichen Kreaturen in ihr Haus einzog und sie sie mit so viel Liebe überschütten könne!

AUF DIE PLÄTZE, FERTIG, LOS

 

Su Yun recherchierte über verschiedene Hunderassen, ihre Eigenschaften, ihre Pflege und alles, was es sonst noch so zu wissen gab. Jetzt, da ihr Herz bereits an dem neuen Familienmitglied hing, wollte sie nichts unversucht lassen. Schließlich hatte sie vor, ein Tier nach Hause zu ihren Kindern zu bringen, und da ist es immer am besten, wenn man vorbereitet ist.

 

Die Liste war fertig, noch bevor der passende Hund ausgesucht war, und Su Yun hatte an alles gedacht: Von einer süßen Hundemarke über ein Halsband bis hin zu einem Hundebett! Dem Welpen, der das Glück haben sollte Teil von Sus Familie zu werden, sollte alles bekommen, was er brauchte, um sich wohl zu fühlen.

EIN EINFACHES LEBEN FÜR EINFACHE LEUTE

 

Während Su Yun bereits davon träumte, ihrem Welpen ein Leben in Luxus zu bieten, führte sie selbst ein recht einfaches Leben. Schließlich wohnte Su Yun mit ihrer Familie in der chinesischen Stadt Kunming, und der Alltag der Familie war von Hektik, Lärm und Stress geprägt. Die geschäftige Stadt und die langen Arbeitstage inklusive Überstunden die Gang und Gebe waren, um sich finanziell über Wasser halten zu können, forderten sowohl von Su Yun als auch von ihrem Mann viel Schweiß, Blut und Tränen.

 

Natürlich starteten auch die Kinder nach einer Weile die gemeinsame Zeit mit ihren Eltern zu vermissen, und spätestens dann wurde es höchste Zeit für einen Familienausflug. Die ganze Familie war mehr als bereit für eine kleine Pause – aber der bevorstehende Urlaub sollte alles andere als entspannt verlaufen, und die ein oder andere Überraschung mit sich bringen, mit der die Familie nie gerechnet hätte!

EINE UNVERGESSLICHE REISE

 

Su Yuns Familie feilten immer wieder an ihren Reiseplänen, aber nichts konnte sie auf das vorbereiten, was kommen würde. Die ganze Familie war mehr als aufgeregt und freute sich, die schmutzigen und hektischen Straßen der Stadt für eine Weile zu entfliehen. Ein Tapetenwechsel raus aus dem wuseligen Treiben würde der ganzen Familie sicher mehr als gut tun.

 

Eigentlich war das auch alles, was sie sich von dieser Reise erhofften: wieder als Familie zusammenzuwachsen und mit einer Menge guter Laune und tollen Erinnerungen zurückzukommen. Doch das sollte definitiv nicht alles sein, was sie von ihrem Trip mitbringen würden. Zwar wussten sie es noch nicht, aber die Yuns waren im Begriff, zum Gesprächsthema der gesamten Stadt zu werden.

SIE HABEN IHR ZIEL ERREICHT

 

Su Yun und ihre Familie erreichten ihr Ziel sicher, und die Tage der eintönigen Routine in der Stadt verwandelten sich in Stunden voller Abenteuer. Die Kinder genossen die Freiheit, sich auszutoben und nach Herzenslust zu spielen. Auch Su Yun und ihr Mann konnten nicht aufhören, von einem Ohr über das anderen zu grinsen.

 

Und als ob das noch nicht genug wäre, stießen sie nur wenige Tage später auf den entzückendsten Wurf von Welpen, den sie je gesehen hatten! Wie unglaublich ist das denn? Was wir bisher verschwiegen ist, dass Su Yuns Traum von einem Welpen nicht nur ihre Idee alleine war. Sowohl ihr Mann als auch ihre Kinder waren mit an Bord, und dieser Welpen Fund wirkte auf die Familie wie ein Zeichen des Schicksals!

EIN FAMILIENTRAUM

 

Genau wie Su Yun davon geträumt hatte, einen Welpen mit nach Hause zu bringen, waren auch ihre Kinder von der Idee begeistert, einen neuen Spielkameraden an ihrer Seite zu haben. Bonuspunkte, wenn jener Spielkamerad pelzig und super flauschig ist! Jetzt, wo ihnen dieser Wurf an Welpen quasi vor die Füße gelegt wurde, wie konnte die Familie da einfach weitergehen, ohne einen dieser süßen Fratze mit nach Hause zu nehmen?

 

Noch bevor dieser Gedanke sich in den Köpfen der Yuns manifestierte, hatten sich die Kinder bereits mit den kleinen Welpen angefreundet. Sollte diese Begegnung wirklich Schicksal gewesen sein? Su Yuns Kinder waren äußerst vorsichtig und einfühlsam im Umgang mit den Welpen, so dass die Kleinen sich sofort mit ihnen anfreundeten. Natürlich konnten sie nicht einen ganzen Wurf Welpen adoptieren, und so fiel die Entscheidung für eines der Kleinen äußerst schwer.

SEELENVERWANDSCHAFT?

 

Zwar hegte die Familie schon sehr lange den Traum, ein Haustier zu besitzen, aber das hektische Stadtleben lenkte sie doch immer wieder davon ab, sich diesen Traum zu erfüllen. Jetzt, nachdem sie endlich eine Auszeit vom Stadtleben hatten und den Welpen begegnet waren, drehten sich ihre Gedanken einzig und allein um das supersüße Bündel vor ihnen.

 

Su Yun nahm eines der Welpen in die Hand, und aus irgendeinem Grund überkam sie das Gefühl, dass dies genau das war, was ihrer Familie fehlte. Mehr noch als die anderen Welpen im Wurf schaffte es dieser kleine Racker die Herzen der ganzen Familie im Sturm zu erobern, und keiner der Yuns konnte den großen Augen und dem süßen, kaum hörbaren Hecheln widerstehen. Hatte die Familie endlich “den Richtigen” gefunden?

EINEM FREMDEN VERTRAUEN

 

Nach einer Weile des hin- und her Harrens kam schließlich ein Mann vorbei, der sich als Eigentümer des Wurms zu erkennen gab. Was?! Dabei hatten die Yuns bereits Hals über Kopf in dieses süße Tierchen verliebt. Was, wenn der Mann ihnen das Tier nicht überlassen würde?

 

Zum Glück für Su Yun und ihre Familie stellte sich bald heraus, dass besagter Hundezüchter den Welpen tatsächlich verkaufen wollte! Nach Angaben des Mannes handelte es sich um eine extrem seltene Hunderasse, den Tibetischen Mastiff. Diese Information genügte, um das Geschäft für Su Yun zu besiegeln, denn sie wollte schon immer eine exotische Hunderasse ihr Eigen nennen!

WARNUNGEN

 

Der Hundehalter warnte sogar davor, dass diese spezielle Rasse bis zu zwei Fuß groß werden kann! Trotzdem waren Su Yun und ihre Familie davon überzeugt, dass sie genau diesen Welpen haben wollten. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich hierbei um eine wirklich seltene Rasse handelte, die alles anderer als leicht zu bekommen war, wollte Su Yun diese Chance nicht verfliegen lassen.

 

Nicht nur war die Idee, einen Hund zu adoptieren, damit endgültig vom Tisch, Die Familie war im Inbegriff einem völlig Fremden zu vertrauen und alles, was dieser ihnen erzählte für bare Münze zu nehmen. Waren Su Yun und ihr Mann zu leichtgläubig? Das würde letztlich nur die Zeit zeigen können.

SAGEN SIE HALLO ZU LITTLE BLACK

 

Wie dem auch sei, Su Yuns Familie besaß also nun diesen spektakulären tibetischen Mastiff, und ausnahmsweise konnten sie es kaum erwarten, zurück nach Hause zu kommen und ihre neues Familienmitglied gleich mitzubringen! Gibt es eine bessere Art, von einem Urlaub nach Hause zu kommen, als mit einem Fellknäuel im Schlepptau? Wir glauben nicht.

 

In all der Aufregung wurde der Familie klar, dass der Kleine einen Namen brauchte. Und da ihr neues Familienmitglied schwarz, klein und niedlich war, entschieden sie sich gemeinsam für den Namen Little Black. Mit seinem tiefschwarzen Fell passte der Name wie die Faust aufs Auge. Was sie jedoch nicht wussten war, dass sie diesen Namen schon bald bereuen würden!

EIN NEUES BABY IM HAUS

 

Endlich waren sie zu Hause angekommen, und die Tage waren voll vom Unfug, den die Kinder und Little Black gemeinsam anstellten. Das Haus von Su Yun war voller Heiterkeit, und nichts konnte ihre Laune trüben.

 

Die Bindung der Familie und ihres Hundes wuchs so eng, dass sie Little Black, nachdem er zunächst noch draußen übernachtete, sogar ins Haus holten, da das feuchte Wetter in der Stadt dem kleinen Welpen zu schaffen machte. Das Hundebett, das Su Yun bekam, war super gemütlich, und auch der Hund schien den Umzug zu lieben.

EXTRAWURST

 

Hunde sind selten wählerisch, wenn es um ihr Futter geht, und jeder, der einen Hund hat, kann das wahrscheinlich bestätigen. Sie schlingen alles runter, was man ihnen vorsetzt, sei es Milch, Brot oder eben stink normales Hundefutter.

 

Die Familie stellte allerdings bald fest, dass dies bei ihrem geliebten Welpen nicht der Fall war. Er schien Hundefutter regelrecht zu verabscheuen und weigerte sich partout davon zu essen. Su Yun versuchte alles und experimentierte mit den wildesten Gerichten., Raten Sie mal, was funktionierte? Früchte und Nudeln! Ja, wir staunten genauso. Für Su Yun war fortan der ein oder andere Abstecher zum Obstregal war angesagt!

UPS, DAS IST JA GANZ SCHÖN VIEL!

 

Little Black liebte dieses ungewöhnliche Gericht und genoss es sichtlich, damit verwöhnt zu werden. Allerdings brauchte er auch wahnsinnige Mengen davon, um satt zu werden. Sus Familie hatte noch nie einen Hund gesehen, der so viel frisst, aber auf der anderen Seite hatten sie auch noch nie einen eigenen Vierbeiner zu Hause. Vielleicht war das eine der einzigartigen Eigenschaften ihres ebenso einzigartigen Tibetischen Mastiffs.

 

Zumindest dachte das die Familie, und es schließlich blieb ihnen auch nichts anderes übrig, als dem Hund die Menge an Futter zu geben, die er brauchte. Es wäre allerdings gelogen, wenn man jetzt behaupten würde, dass der unvergleichliche Appetit des Welpen kein Problem für die Familie darstellen würde; Der gesamter Lebensmittelvorrat der Familie war innerhalb einer Woche quasi aufgebraucht! Das war selbst für einen so speziellen Welpen sicherlich ein bisschen zu viel des Guten.

DAS WAR NOCH NICHT ALLES

 

Hinzu kam, dass der schnell heranwachsende Welpe einen immer größeren Nahrungsbedarf entwickelte. Im Alter von 12 Monaten verschlang Little Black bereits zwei ganze Eimer Nudeln und eine große Kiste mit Obst pro Tag! Das machte Su Yun und ihren Mann ziemlich ratlos, denn mit den enormen Ausgaben für Little Black war es eine echte Herausforderung, ein Essensbudget für den Haushalt aufzustellen. Es schien, als würde der Appetit des Vierbeiners jeden Tag größer werden!

 

Trotzdem beschloss die Familie alles zu tun, um ihren Fellknäuel zu versorgen. Tatsächlich gaben die zu jener Zeit deutlich mehr Geld für Little Blacks Ernährung aus als für ihre eigene! Vielleicht hätten die Yuns sich viel eher dazu entschieden etwas Geld auf die Seite zu legen, hätten sie zu jener Zeit bereits erahnen können, welche rechtlichen Konsequenzen dies alles haben würde.

EIN GROSSER FREUNDLICHER RIESE

 

Der Fremde, dem sie den Hund abgekauft hatten, hatte sie bereits vor der Geschwindigkeit gewarnt, mit der so ein Hund heranwächst. Sie wussten also, dass er im Gegensatz zu seinem Namen später mal ein alles andere als kleiner sein würde. Doch niemand hätte sie auf das vorbereiten können, was sie in ihren Eigenen 4 Wänden erlebten!

 

Little Black war mittlerweile drei Fuß groß, was weit von seiner erwarteten Maximalgröße entfernt war. Mit 250 Pfund war er ein ebenso stämmiger Hund, der jeden Gast bei seinem bloßen Anblick zusammenzucken ließ. Um die Verwirrung noch zu vergrößern, tat Little Black eines Morgens etwas so Ungewöhnliches, dass es Su Yun einen Schauer über den Rücken jagte!

DAS IST SELTSAM

 

Mit ihren schelmischen Blicken und kleinen Streichen erwärmen unsere Hunde immer wieder unsere Herzen. Little Black war für die Familie ein Quell der Freude, und sie liebten ihn über alles. Aber nach und nach wurde er zu groß für das Haus. Beim Laufen warf er Vasen und andere Dinge um, und Su Yun musste alle paar Minuten das Haus neu aufräumen.

 

Doch das war es nicht, was der Mutter des Hauses Angst machte ihr ein Gefühl der Verzweiflung vermittelte. Es war das erste Mal, dass Su Yun ihren Welpen aufrecht auf seinen Hinterbeinen stehen sah, und das erschrak sie zutiefst.

ALARMSTUFE ROT

 

Aus heiterem Himmel erlitt Su Yun einen regelrechten Schock und fühlte sich, als hätte sie ein ganz anderes Tier gesehen. Diese Begegnung in der Küche löste einen Dominoeffekt aus, der sie zurückblicken und alles in Frage stellen ließ. Würde ein Hund so etwas so Seltsames tun? Für Su war schnell klar, dass ein normaler Hund sowas nicht zustande bringen würde.

 

Letztlich begann die Hausherrin sogar Angst vor ihrem geliebten Haustier zu bekommen. Aber wie war das möglich? War dieser Welpe doch ihr Baby. Su Yun kämpfte verbittert mit sich, um ihre Angst zu unterdrücken. Sicher würde so etwas Seltsames nicht nochmal passieren, oder?

AUF DER LAUER

 

Aus unerfindlichen Gründen überwogen die Mutterinstinkte in Su Yun ihre Hundeliebe, und sie begann, besonders aufmerksam ihr Haustier zu beobachten. Auf der einen Seite hatte sie die Situation vielleicht völlig falsch eingeschätzt, und mache jetzt aus einer Mücke einen Elefanten. Auf der anderen Seite wollte Su Yun aber auch nichts dem Zufall überlassen.

 

Was, wenn ihr süßes Fellknäuel gefährlicher war, als sie sich selbst eingestehen wollte? Schließlich könnten dann auch ihre Kinder in Gefahr sein, und als Mutter hatte die Sicherheit ihrer Kinder schließlich oberste Priorität. Also begann sie, ihr Haustier genau zu beobachten, und kam der Antwort näher auf die Spur, als sie dachte!

MEHR VERÄNDERUNGEN

 

Es schien fast so, als käme es jeden Tag etwas Neues Ungewöhnliches hinzu. Su Yuns Familie wurde Zeuge einer langsamen, aber spürbaren Veränderung sowohl der körperlichen Merkmale als auch des Verhaltens ihres Haustiers. Besonders die körperlichen Veränderungen waren quasi nicht zu übersehen.

 

Zum Beispiel fiel den Yuns auf, dass die Zähne von Little Black deutlich größer als die von normalerweise viel größeren Wachhunden, wie Dobermännern und Pitbulls, waren. Dies, gepaart mit häufigem Knurren, reichte bei den Kindern aus, um ihr Hündchen nicht mehr streicheln zu wollen. Sogar Su Yuns Ehemann war ratlos und mehr als entsetzt über das, was da vor sich ging. Vielleicht hatte der Welpe einen Virus oder Infekt, der ihm Unbehagen bereitete.

ES WIRD NOCH SCHLIMMER

 

Man könnte meinen, das sei schon beängstigend genug – dass das eigene Haustier von einem Kuscheltier zu einem knurrenden Monster wird. Aber das war noch nicht alles. Es wurde immer deutlicher, dass Little Black es vermied, auf allen Vieren zu gehen. Immer häufiger lief der Hund aufrecht durchs Haus.

 

Erstaunlich war, mit welcher Leichtigkeit er das tat. Es war höchst ungewöhnlich für einen Hund, so zu laufen, und Su Yun verlor so langsam den Verstand. Was war bloß mit ihrem geliebten Haustier los? Was hatte die Familie bloß übersehen?

JEDERMANNS SACHE

 

Sicher, Little Black verbrachte die meiste Zeit im Haus und die Familie hatte sich bereits daran gewöhnt, den Hund um sich zu haben, aber die Geschwindigkeit, mit der der Welpe heranwuchs machte die Situation für alle äußerst schwierig. Su Yun wollte aber auch nicht, dass der Hund in ihrem Garten herumlief, denn sie fürchtete, dass die Nachbarn sein ungewöhnliches Verhalten in Frage stellen würden.

 

Man muss sich nur mal vorstellen, wie viele Köpfe sich nach einem umdrehen würden, würde man mit sie einem Riesenhund spazieren. So ein riesiger Hund ist immer ein regelrechtes Spektakel, aber wenn er dann auch noch aufrecht geht, könnte sich die Familie vor Fragen und Gerüchten vermutlich kaum retten. Little Black könnte so vielleicht sogar viral gehen und Schlagzeilen machen! Das wollte Su Yun auf keinen Fall, also mussten sie sich eine Lösung einfallen lassen.

EIN GEMÜTLICHES ZUHAUSE

 

Wahrscheinlich gab es keinen Tag, an dem Su nicht über Riesenhunde las und darüber, wie sie ihrer Familie und dem Welpen das Leben leichter machen konnte.

 

Schließlich kamen die Yuns auf die Idee, eine Hundehütte zu bauen, die groß genug für den Vierbeiner war. Das würde bedeuten, dass es im Haus nicht mehr so eng wäre, und sie könnten endlich wieder ein bisschen Raum für sich beanspruchen, nachdem sie so lange eng aufeinander gepfercht zusammen lebten. Auch wenn sie wussten, dass dies keine dauerhafte Lösung sein könnte, so war es doch ein Silberstreif am Horizont.

ALLES FALSCH

 

Jetzt, wo er draußen war, konnte Little Black sich endlich als Wachhund beweisen. Su Yun und ihr Mann glaubten, dass dieser Tapetenwechsel gut für den Hund sei, da sie sein auffälliges Verhalten darauf zurückführten, dass er sich im Haus gefangen fühlte. Sie drückten die Daumen und hofften, dass sie hin und wieder ein kräftiges Bellen hören würden, das jeden der Böses im Schilde führt von ihnen fernhalten würde.

 

Diese Erwartung erfüllte sich allerdings so ganz und gar nicht, da der Hund kaum mehr als sein übliches Knurren von sich gab. Wenn es bei seiner Größe und Stämmigkeit nicht seine wahre Natur war, ein Wachhund zu sein, was sollte Little Black dann sein?

EINE ERSCHRECKENDE ENTHÜLLUNG

 

Erinnern Sie sich an den Moment, als Su Yun ein schrecklicher Gedanke durch den Kopf ging, als sie Little Black zum ersten Mal aufrecht stehen sah? Was wir verschwiegen haben ist, dass dieser Gedanke in Wirklichkeit eine schreckliche Vermutung war, die Su Yun bis auf die Knochen erschreckte. Seitdem war viel passiert, und Su konnte jene Vermutung nicht länger ignorieren.

 

Es war höchste Zeit, die Wahrheit herauszufinden, denn Little Black überragte gössen technisch bereits sowohl Su Yun als auch ihren Mann! Wie jeder angehende Detektiv wusste sie, dass das allwissende Internet der richtige Ort war, um ihre Zweifel auszuräumen. Sie gab als Suchbegriff Tibetanische Doggen ein und blätterte seitenweise durch unendlich viele Informationen über alles was wichtig erscheinen könnte, von den Besonderheiten bis zum Verhalten der Hunde.

WIR HABEN EINEN TREFFER

 

Als sie immer mehr Foren für Tierliebhaber durchstöberte, um mehr Informationen zu erhalten, sah Su Yun, dass viele andere Hundebesitzer ihre Zweifel genau wie Su Yu ausgeräumt hatten, indem sie ihre Fragen in Foren posteten. Alles, was sie also tun musste, war, diese Internetfremden zu fragen, und so vielleicht eine Antwort auf das rätselhafte Verhalten ihres Hundes erhalten.

 

Dies war der Moment der Wahrheit, und die besorgte Hundemama postete kurzerhand ein eindeutiges Foto ihres Riesenhundes. Kurze Zeit später meldete sich ein anscheinend seriöser Tierarzt auf ihre Anfrage mit einer Antwort, die die Familie niemals erwartet hatte! Wir können uns nicht mal im Geringsten vorstellen, wie fassungslos Su Yun über die Nachricht, die sie erhielt, gewesen sein muss.

SU YUN BRAUCHT EINE BÄRENUMARMUNG

 

Was glauben Sie, was der freundliche Tierarzt offenbart hat? Die Nachricht des Arztes als schockierende Enthüllung zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung, wenn man bedenkt, wie eng Su Yun und ihre Familie mit ihrem vermeintlichen Hund verbunden waren.

 

Moment – “angeblich”? Ja, richtig gelesen, denn wie sich herausstellte, war Little Black gar kein Tibetischer Mastiff! Der intrigante Fremde lag mit der geografischen Herkunft des Tieres gar nicht so weit daneben, denn es handelte sich bei Little Black tatsächlich um eine Schwarzbärenrasse aus dem Himalaya! Wenn die Erkenntnis, dass man mit einem wilden Bären gelebt hat, den man mit einem Welpen verwechselt hat, einem nicht alle Haare zu Berge stehen lässt, dann wissen wir auch nicht, was sonst.

MEHR NEWS

 

Bären sind zweifellos große Tiere, aber dem Tierarzt zufolge könnte Little Black bis zu 1,80 m groß werden und sogar ein Gewicht von sage und schreibe 440 Pfund erreichen!

 

Mit jeder neuen Information, die sie erhielten, wurde eines glasklar: Die Familie würde Little Black nicht behalten können. Ganz klar wäre so eine Situation viel zu riskant für Leib und Leben der Familie, ganz zu schweigen davon, dass es höchst illegal ist ein wildes Tier mir nichts dir nichts in der eigenen Wohnung oder im Garten zu halten! Die Empfehlung des Tierarztes lautete also so schnell wie möglich die Polizei einzuschalten. Dies machte durchaus Sinn, denn schließlich hat die Familie nicht mit Absicht einen Bären nach Hause geschleppt, und die Yuns waren sich dem riesen Fehler bewusst, den sie begannen hatten. Die Familie sollte damit sicher nichts zu befürchten haben.

KEINE WAHL

 

China ist genauso streng wie die meisten anderen Länder, wenn es um Tierschutz und artgerechte Haltung geht, so dass jeder, der sich nicht an die gültigen Gesetze hält mit hohen Geldstrafen und unter Umständen sogar mit Haftstrafen rechnen muss.

 

Exotische Tiere als Haustiere zu halten, ist auch in China strengstens verboten. Zwar haben Su Yun und ihre Familie sich ihre Situation nicht ausgesucht, aber würde ein Gericht das auch so sehen? So viele Fragen gingen Su Yun durch den Kopf, und alles, woran sie denken konnte, war, dass sie ihren kleinen Welpen weggeben musste. Denn trotz allem liebte die Familie Little Black noch immer. Was war also der beste nächste Schritt?

ZOOLANDERS

 

Sie überlegten lange und beschlossen dann schließlich, sich an einen Zoo zu wenden, der den Bären möglicherweise aufnehmen würde. Dabei gab es allerdings ein großes Problem: Little Black hatte keinerlei Papiere, so dass der Zoo die Bitte von Su Yun und ihrer Familie ablehnte, ohne auch nur in Erwägung zu ziehen, den Bären aufzunehmen.

 

Die Yuns waren verzweifelt, aber konnte man es den Verantwortlichen im Zoo verdenken? Das Tier hatte keine eine Geburtsurkunde, und da man keine Möglichkeit hatte, den Mann zu erreichen, der den Bären an die Familie verkauft hatte, gab es auch sonst keinerlei Möglichkeit, dem Tier zu helfen. Su Yun hatte deutlich mit der Nervosität zu kämpfen, aber schließlich war es an der Zeit, die Polizei zu rufen, und das stellte sich schließlich als die richtige Entscheidung heraus.

DIE EXPERTEN SIND DA

 

Little Black mag zwar domestiziert gewesen sein, aber die Beamten trafen trotzdem sämtliche Vorsichtsmaßnahmen und rückten mit einem Team von Zoologen und Tierexperten an. Was wäre schließlich, wenn Little Black sich gegen die Abführung gewehrt hätte? Das hätte hässlich werden können. Außerdem war der Bär so groß, dass ein ganzes Team von Verhaltensforschern und Tierärzten nötig war, um das Tier zu transportieren, darunter auch eben jener Arzt, der Su Yun den großen Schock online mitgeteilt hatte!

 

So schmerzlich dieses Ereignis auch war, Su Yun wusste, dass es im besten Interesse ihres geliebten Tieres war. Sie wollte sich nur ungern von ihrem Welpen trennen, aber der Gedanke, dass er ein neues, sicheres Zuhause finden würde, beruhigte sie schließlich.

SU YUN WAR NICHT DIE EINZIGE

 

Nach einigen Nachforschungen stellte sich heraus, dass die missliche Lage von Su Yun ihrer Familie nicht mal so selten war, wie sie zunächst dachten. Da die meisten Menschen die Eigenheiten und das genaue Aussehen vieler Wildtiere nicht einschätzen können, werden sie oft mit ähnlichen bereits domestizierten Tieren verwechselt. Ein gutes Beispiel wurde aus Arizona, USA, berichtet, wo ein junger Mann einen streunenden Welpen adoptierte und ihn Neo nannte.

 

Bis Neo ein Jahr alt war, hat niemand auch nur den Hauch eines Zweifels gehegt, dass der Welpe eventuell gar kein Welpe ist. Schließlich erkannte ein Bekannter, der sich mit Wildtieren auskannte, dass es sich tatsächlich um ein Wolfsjunges handelte! Wenigstens fand der Besitzer schließlich rechtzeitig heraus, warum sich sein Hund nie an ein normales Leben als Haustier gewöhnen konnte.

DIE ÄRZTLICHE UNTERSUCHUNG

 

Die Beamten fragten nach dem Sinneswandel, den Bären abzugeben, und Su Yun gab eine ehrliche Antwort: Sie hatten nie die Absicht, einen Bären zu halten, und als die Wahrheit herauskam, haben sie sofort die notwendigen Schritte unternommen, um das Problem zu lösen. Außerdem würde Little Black in einem Schutzgebiet oder in freier Wildbahn ganz er selbst sein können, ganz anders als eingepfercht in ihrer kleinen Wohnung oder draußen im kleinen Garten.

 

Die Polizei zweifelte nicht an den Aussagen von Su Yun und ihrer Familie und unterzog den Bären einer medizinischen Untersuchung, und Su Yun hoffte selbstverständlich, dass alles in Ordnung war. Selbstverständlich war Little Black kerngesund, immerhin standen die Bedürfnisse des „Welpen“ für die Yuns immer an erster Stelle, selbst dann, wenn das Tier Eimerweise Nudeln und Obst fraß und die Ersparnisse der Familie verbrannte.

DER TEDDYBÄR VON KUMING

 

Little Black war also erstaunlicherweise kerngesund, und die Tierärzte waren angenehm überrascht. Sie lobten Su Yun sogar für ihr Engagement in der Erziehung dieses wilden Tieres.

 

Jetzt, da die medizinische Versorgung abgeschlossen war, war es an der Zeit, Little Black in die Tierauffangstation zu bringen. Da er bereits mehr als 250 Pfund wog, wurde entschieden den Bären zu betäuben, um ihn zu transportieren. Nach einer beschwerlichen Reise wurde Little Black vom Tierheim mehr als herzlich empfangen, und auch hier war man beeindruckt, wie gut erzogen der Bär war.

EINE BERÜHMTHEIT ÜBER NACHT

 

Für die Boulevardpresse war der Fall von Little Black immer noch eine große Story, und jeder wollte wissen, was es mit Su Yuns Familie und ihrem außergewöhnlichen Haustier auf sich hat. Einige spekulierten sogar, dass es höchstunwahrscheinlich sei, die beiden Arten zu verwechseln und das die Familie absichtlich einen Bären mit nach Hause brachten. Die Familie ließ sich von den Negativberichten allerdings nicht beirren.

 

Es dauerte nicht lange, bis sogar National Geographic auf die Geschichte aufmerksam wurde und darin eine Gelegenheit das, das Bewusstsein für Probleme dieser Art zu erhöhen. Auch einige Nachbarn waren ebenfalls wütend, da sie sich so lange unbewusst in der Nähe eines Bären aufgehalten hatten. Wird Su Yun für dieses Missgeschick also hinter Gitter wandern müssen?

EIN EHRLICHER FEHLER

 

Sich an die Narrative von National Geographic zu halten erwies sich als sehr vorteilhaft für Su, da die Debatte, die durch die Reportage weltweit ausgelöst wurde, viele ähnliche Fälle ans Licht brachte. Viele Menschen erzählten, dass sie sich selbst schon einmal in Bezug auf wild lebende Arten geirrt hatten, und es schien also, dass die Familie damit nicht allein war.

 

Was für eine Erleichterung! Viele Stadtbewohner wissen tatsächlich nicht wirklich, wie man Wildtiere von gewöhnlichen Haustieren unterscheidet, also war es auch im Fall von Su nur ein Problem der Unkenntnis. Die meisten Menschen interessieren sich schlicht nur dafür, wie niedlich ein potenzielles Haustier ist, und der Gedanke, dass es sich tatsächlich um ein wildes Tier handeln könnte, kommt ihnen meist erst viel später.

WIRD DAS GESETZ DAS AUCH SO SEHEN?

 

Su Yun verschwendete also keine Zeit damit, ihren Fehler einzugestehen und ihn offen auszusprechen. Sie hoffte, dass ihre Geschichte angesichts der unzähligen ähnlichen Geschichten, die ans Licht kamen, auch vor Gericht glaubwürdiger sein würde. Das soll allerdings nicht heißen, dass sie vor dem Urteil nicht Bammel hatte. Den Behörden wurde jedoch recht schnell klar, dass es sich wirklich um einen bedauerlichen Fehler handelte. Außerdem beschloss die Polizei angesichts der unglaublichen Unterstützung der Familie durch die Gemeinde, die Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen.

 

Der wahre Schuldige in diesem Fall war darüber hinaus jener gerissene Mann, der Little Black der ahnungslosen Su Yun und ihrer Familie als eine Elite-Hunderasse verkauft hatte.

WILD UND FREI

 

Su Yun und ihre Familie waren untröstlich, denn sie hatten ihren süßen Hund verloren, der zwei Jahre lang ein Teil ihrer Familie war! Doch der Gedanke, dass Little Black im Reservat in seiner natürlichen Umgebung und artgerecht leben kann ist auch ein bittersüßer.

 

Ihre unglaubliche Verbundenheit mit dem Tier bedeutete nämlich auch, dass sie trotz der Trennung nur das Beste für ihren Bären wollen. Da auch Su Yun ungeschoren davonkam, hat sich die Geschichte als eine wahre Win-Win-Situation für alle Beteiligten entwickelt. Hoffentlich hat der Bär heute seine eigene wilde Version einer Familie gefunden und lebt so, wie es ursprünglich für ihn gedacht war!